Geschichte & Konzept

Als sich der Kunstraum Delikatessenhaus 2005 in der Karl-Heine-Straße 59 gegenüber der Schaubühne Lindenfels einquartierte, betraten die drei Macher Ulrike Rockmann, Roswitha Riemann und Jan Apitz kulturelles sowie wirtschaftliches Ödland. Während sie die über die Jahre des Stillstands marode gewordenen Räumlichkeiten eines ehemaligen Schmuckladens als Galerie zeitgenössischer Kunst herrichteten, erhielten sie des Öfteren Besuch von müden Gestalten mit Bierflasche in der Hand.

Das sollte sich ändern.

Für den ein Jahr später erstmalig stattfindenden „Westbesuch“ engagierten sich die drei im Hauptberuf tätigen Kunstlehrer ebenso, wie für die Realisierung des zuvor auch inhaltlich konzipierten Kunstprojektes „Hohe Worte“. Das Neonlicht gehört seitdem zur Karl-Heine-Straße, wie die vielen Kneipen und Cafés, die sich über die Jahre dort etabliert haben. Das „Glück“ beanspruchte das Delikatessenhaus für sich selbst und es leuchtete bis zum Sommer 2014.

Bis zu neun Ausstellungen wurden durch das Team des Delikatessenhauses pro Jahr gezeigt. Es setzte von Anfang an auf die Kooperation mit Künstlern auch außerhalb Leipzigs. In der Folge vermehrten sich Ausstellungsbeteiligungen internationaler Künstler. Mit der starken Vernetzung innerhalb der lokalen, überregionalen und internationalen Kunstszene erarbeitete sich das Delikatessenhaus ein Renommee auch über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus.

2014 wurde das Mietverhältnis gekündigt und der nichtkommerzielle Kunstraum musste den Plänen der Stadtbau AG weichen. Das Licht ging aus.

Doch nur vorübergehend. Nach einer kurzen Phase der Um- und Neuorientierung und einer Interimsausstellung in der Merseburger Straße gegenüber dem Kaufhaus Held eröffneten Ulrike Rockmann und Roswitha Riemann in der Lützner Straße 36 das Neu Deli. Die Änderung des inzwischen beinah zu einem Label avancierten Namens Delikatessenhaus sollte den Neuanfang vor dem Hintergrund der räumlichen Veränderung unterstreichen. In der Lützner Straße angekommen ergaben sich Analogien zum ehemaligen Standort: Wieder agieren vis a vis Theaterschaffende, diesmal das Neue Schauspiel Leipzig. Und der Umzug von Plagwitz nach Lindenau brachte noch eine erfreuliche Neuigkeit mit sich: Die Einbindung in die Solidargemeinschaft lindenow, welche sich für Synergien nichtkommerzieller Kunsträume in Leipzig- Lindenau einsetzt.

Das künstlerische Konzept des Neu Deli schließt an die vorangegangen fast 10-jährige Arbeit an und entwickelt sie weiter: subtile anstelle großer Geste; Grafik und Installation statt Malerei. Ein gemeinsamer Geist, der sich in langfristiger Planung und intensiven Kontakten zu den Künstlern herauskristallisiert.

Das “Glück” ist wieder aufgetaucht: Schräg über einem feinen Restaurant der nunmehr fast vollständig gentrifizierten Karl-Heine-Straße.

Von September 2015 bis Dezember 2016, also ein reichliches Jahr, konnte der wunderschöne Raum in der Lützner Straße mit dem Marmor aus Plovdiv gehalten werden: fünf bemerkenswerte Ausstellungen mit z.T. internationalen Künstlern bilanzieren das Engagement dort. Ob die Lützner Straße die Entwicklung der vergleichsweise gediegenen Parallelstraße nehmen wird, wird das Neu-Deli-Team jedoch aus der Ferne beobachten müssen. Der Raum wurde schlichtweg zu teuer und musste schweren Herzens aufgegeben werden.

Nun betritt das Neu Deli wieder einen neuen Raum in neuer Umgebung, statt Leipziger Westen nun Leipzig Mitte-West, die Himmelsrichtung bleibt erhalten, wenngleich mit Orientierung zum Stadtzentrum: die Sebastian- Bach- Straße 23 wird zunächst bis Ende 2018 das neue Domizil sein.

Wir hoffen, dass das Neu Deli auch darüber hinaus das Auge und den Intellekt erfreuen wird. Der Kurs ist klar. Der Ausstellungsplan steht.